briefe an henri vol. 6 - Herbstspaziergänge und Arztromane
Lieber Henri, Um bei den Fussballanalogien zu bleiben: Das Leben liebt es, einem gepflegt in die Beine zu grätschen. Wie ich sehe, ist dir deine Beobachtungsgabe nicht abhanden gekommen. Gut für dich. Man muss das bisschen Freude im Alltag entdecken, auch wenn es sich in Wagenladungen voller Scheisse versteckt. Meine Lage in den vergangenen Wochen war alles andere als rosig. Mit meinen Investments lief es gar nicht. Die amerikanischen Kindergartenstreitereien haben mir noch die letzte Rendite gekillt. Musste einige Aktien mit Verlust verkaufen um wenigstens wieder flüssig zu sein und von Deutschland heim zu reisen. Ich war auch ziemlich am Arsch. Es wurde mir alles zu viel. Reisestrapazen. Existenzängste. Zeitdruck. Herbstdepression. Kacke! Ich blieb also mal Zuhause und überdachte mein Geschäftsmodell. Hab viel zeitgenössische klassische Musik gehört (Philip Wesley, Ólafur Arnalds, Ludovico Einaudi, Yiruma, etc.). Hab viel gelesen. Hab Spaziergänge gemacht im gefallenen Herbstlau...