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Briefe an Henri Vol. 9 - Technische Probleme und Frau Teppichboden

Lieber Henri, Weihnachten ist beerdigt und das alte Jahr liegt in seinen letzten Zügen, bereit einem jüngeren, vitaleren Abbild seiner selbst Platz zu machen. Das Jesuskind aus Polypropylen wird mitsamt seiner billig verarbeiteten Holzkrippe, made in China, in einen vollgestopften Umzugskarton verstaut und bis nächstes Jahr in den dunklen Keller verfrachtet. Diese biedermeiersche Auslebung des Fritzltums macht mich etwas traurig, aber lassen wir die sentimentalen Sabbeleien. Das Weihnachtsfest, welches ich für die Firma XYZ organisiert habe, war ein monumentales Desaster. Zunächst lief alles reibungslos, schliesslich gab es zu dem Ablauf ein achtseitiges Script und nachmittags fand eine kleine Hauptprobe für den offiziellen Teil statt. Um dir das Ausmass der Katastrophe begreiflich zu machen, muss ich zwei Punkte als Exposition vorausschicken. Zum einen habe ich aus Kostengründen darauf verzichtet, einen professionellen Tontechniker für den Anlass anzuheuern. Stattdessen habe ich ...

gedanken aus dem hohen norden

und auf einmal sagten die leute, dass das leben eine bitch ist. das erinnert mich ein bisschen an den guten alten track von nas, "life's a bitch and then you die - cause you never know when you're gonna go". die alten heads werden das kennen und analog dazu läuft dann die melodie im kopf ab. bei mir tauchen noch unzählige orte auf wo ich dieses lied gehört habe. wenn mein hirn auch nicht für viel imstande ist, so zumindest gehörte musik mit orten zu verbinden. der hang zum autismus schein manchmal nicht fern vom rechten standbein. im fernsehen kommt kaiser franz und mehmet scholl. dann pep guardiola, dann mehmet scholl. in dieser reihenfolge betrachtet, wird man den gedanken nicht los, die beiden seien unmittelbar miteinander verwandt. obwohl mein lieber scholli etwas heller pigmentiert ist und wohl auch ein paar zentimeter kürzer, steht er dem spanischen fussballmagier in nichts nach. beides sympathieträger irgendwie, obwohl sie unfehlbar mit dem fc bayern assoziert ...

Briefe an Erni Vol. 9 - Von Geschenken und Aasfressern

Lieber Erni Wie ich lese bist du in dieser Vorweihnachtszeit richtig beschäftigt und somit für einmal nicht die Ausnahme die die Regel bestätigt. Jedenfalls freut es mich, dass du wieder Früchte erntest und dich auch emotional gefangen hast. Es ist die Zeit der grossem Depressionen, untermauert mit meiner Aktionswoche und der früh einkehrenden Dunkelheit, ein optimaler Nährboden um meine Geschenksideen gedeihen zu lassen. Falls du meiner beschissenen Logik nicht folgen kannst, auch bei mir klingelt die Kasse. Meine Uschi ist eine Frau, bei der grosse Geschenke auch grosse Wirkung erzielen. Denke ich über sie nach, dann stelle ich es manchmal schon in Frage, ob extrinsische Belohnungen wirklich nur ein kurzfristiger Motivator sind. Auch frage ich mich ob es gut ist, eine Frau zu haben die mit Geschenken so beeinflussbar ist. Und dabei meine ich natürlich nur Geschenke materieller Natur. Zu guter Letzt aber, und das ist die egoistische Betrachtung der ganzen Sache - tu ich ihr e...

Freitag der 13.

Freitag der 13. er zieht sein bestes Hemd an und die Hosen mit den wenigsten Brandflecken er stellt das Bier kühl checkt sein Gesicht im Spiegel schneidet wilde Grimassen zählt Falten und Silberfäden und legt etwas Musik auf um in Stimmung zu kommen. Er denkt an seine Nachbarn an den Lärm und die Leute an die Möglichkeiten und die Gefahren er denkt an das Vergangene und das Künftige und die Frauen und immer wieder die Frauen. Er ist wieder ein Jahr älter aber fühlt sich noch ganz okay noch presänt und konzentriert mit Hoffnungen und Plänen realitätsdurchzogen und bodenständig zwar aber optimistisch und ambitiös. Sein Blick schweift über die Bücher und er bekommt Lust zu schreiben jetzt in diesem Moment er hört die Musik und er bekommt Lust einen Song zu machen jetzt in diesem Moment aber bald geht die Party los und sie wird nicht so schnell enden. Es ist ein gutes Alter nicht mehr grün hinter den Ohren aber noch nicht grau...

briefe an henri vol. 8 - Kinder, Monster und Tierschutztanten

Lieber Henri, Ich öffnete eines Morgens meine Tür, ging nichts ahnend hinaus und da überkam sie mich: Die eisige Kälte des Winters; herzlose Geliebte des Todes; die urzeitliche Bestie, die schon unseren Vorfahren das Leben zur Hölle gemacht hat. Wobei Hölle in diesem Zusammenhang vielleicht ein schlechter Vergleich ist, denn die wäre zumindest warm. Meine Brustwarzen werden hart in der Kälte, so dass ich damit locker Glas schneiden könnte. Die Extremitäten, sowie das charaktergebende Gesicht und die durchaus praktischen Ohren, werden zu verhassten Schwachstellen an meinem Körper. So verstehe ich mittlerweile, warum der gute van Gogh sich eines Ohres entledigt hat. Soviel zum körperlichen. Viel interessanter ist jedoch zu betrachten, was diese Kälte mit dem Geiste anstellt. Der subversive Teil in mir, der zeitweise an nihilistischem Zynismus grenzt, trifft auf den romantischen Tradionalisten, auf das grosse Kind in mir. Es ist der alte Kampf zwischen Bewahren und Erneuern, nur mit ...

briefe an erni vol. 8 - wintermärchen

Lieber Erni Zeit, dich wieder ein bisschen zu informieren. Der winter naht und die bar steht auch wieder. Das ist wichtig. Die wintermonate sind in meinem geschäft mindestens so wichtig wie im detailhandel. Mit dem unterschied, dass ich den leuten nichts vortäusche. Ich bringe ehrliche ware an den mann und die frau, bier und schnaps. In vino veritas und so. während der sommer die unbändige freude, die leidenschaft und affären hinterm scheunentor verspricht, ist es der winter der die wahren gefühle beherbergt. Das war doch schon immer so. ob du es glaubst oder nicht, aber eine kneipe ist es, die vom staat für ihren sozialen charakter subventioniert werden sollte. Hier fliessen mehr tränen als am flughafen, es werden freundschaften begründet und beendet, leute finden die liebe oder vergessen sie hier. Solche gedanken haben mich ermutigt, meinen geschäften wieder unter einem seriöseren gesichtspunkt nachzugehen. Ich habe jetzt eine weihnachtsbier-aktionswoche im sinn, alles versc...

leute aus der meute vol. 11 - pierrelégère

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freunde der vorbeizottelnden tauben. falls ihr aus dem fenster schaut und euch fragt, ob dieser schnee nun gut oder schlecht ist, die arbeit euch freude macht und ihr das lied spielerfrau von olli schulz auf youtube bereits geliked habt dann hab ich euch hier noch ein zückerchen für den nachmittag. nachdem lange funkstille herrschte kommt nun endlich das exklusiv interview mit niemand geringerem als dem uns gut zugetragenen pierrelégère. ich glaub er weilt momentan in kambodscha, also nehmt ihn doch heute abend in euer gebet mit rein und wünscht ihm ein paar prickelnde erlebnisse. voilà. Bald gehst du auf grosse reisen, welche  erwartungen  hast du an deine reise? Ich freue mich auf viele Abenteuer, neue Inspirationen und leckere Biere. Aber am meisten freue ich mich den Alltagstrott hinter mir lasen zu können und endlich in den Tag hinein leben zu dürfen, ohne wenn und aber. Das nennt man dann wohl Freiheit auf Zeit. Kiwi oder  kokosnuss ? Beides dolle...

briefe an henri vol. 7 - Versicherungen und Viecher

Lieber Henri, Ich hoffe, deine Kneipe ist nicht allzu sehr ramponiert. Pass auf mit der Versicherung, man weiss ja aus der Dokumentation „Stromberg“, wie unseriös die Schadensfälle regulieren. Im Zweifelsfall solltest du beim Filialleiter privat anrufen. Ich kann dir ausfindig machen, wo seine Kinder zur Schule gehen. Das macht Eindruck. Damit demonstrierst du, wie gut du Informationen managen kannst. Mit so jemandem will sich ein Versicherungsfutzi nicht anlegen. Wie geht es Ludmilla? Die Gute ist hoffentlich nicht feucht geworden?! In deinem Alter ins Karussell finde ich mutig. Als ich letztes Jahr mal dort war, bin ich mit zwei Mädchen in den VIP-Bereich verschwunden.Bin dann geflüchtet, als ich das Alter von denen rausgekriegt habe. Da kann die Kacke ziemlich dampfen, wenn dich dann auch noch jede Sau kennt. Aber lieber ins Karussell als an eine „Ü-Party“. Da sage ich mir jeweils „Üüüüüü… Lieber nicht!“. Deine Treue zu Uschi ist mehr als nur gewöhnliche Sentimentalität. So ein...

briefe an erni vol. 7 - flut und feier

Lieber erni Bitte entschuldige meine späte rückmeldung, aber die ausreden folgen gleich. Wie du weisst bin ich selbst nicht so nah am wasser gebaut wie meine kneipe. Aber eben die kneipe. Regen, hochwasser, keller geflutet. Natürlich bezahlt die versicherung die sauerei (mein entzücken am anrufen konnte ich kaum zurückhalten), allerdings gabs dann halt doch ein wortwörtliches schlamassel. Zu meiner freude konnte ich ein paar schäume retten, die dosen sehn jetzt aus wie blindgänger und daraus zu trinken ist irgendwie richtig abenteuerlich. Egal. Ich hab dann den laden zwei tage zugemacht und bin am abend jeweils selber rumgezogen. Bin dann ins „karussel“ ein bisschen abfeiern gegangen. Es war richtig was los und zu „talk dirty to me“ hatte ich richtig nen ständer als ich mit dieser braunhaarigen katze über die tanzfläche zwirbelte. Wir haben dann auch bisschen rumgemacht aber irgendwie haben mich dann die gedanken an meine uschi doch davon abgehalten in die verlängerung zu gehe...