ich hab ganz zittrige hände so kurz vor der olympiade. ein historisches ereignis. olympia kommt mir in den sinn, die griechische antike stadt. auch nackte rennläufer mit einem staffettenstab und einem lorbeerkranz um den kopf. weisse gewändchen und frauen mit schlangen um den hals. ringkämpfe und solche sachen und eigentlich weniger damen rodeln oder die biathlonsiegerehrung. gold im biathlon pozdonner. heute hab ich den ganzen gigantismus (von diesem wort scheint die hiesige presse gerne gebrauch zu machen) mal auf meine pastadosierung umgemünzt. es geht einfach darum das fass nicht überlaufen zu lassen. wie bei sovielem. leider habe ich nicht mitbekommen wie rumenigge sich zum financial fairplay geäussert hat, aber es hätte mich wunder genommen. was denkt wohl gumble darüber? jedenfalls hat sich der gute uwe noch zum wackelnden dino geäussert und da kam schon mehr wehmut auf. e trääne im aug. hsv-pauli mal nicht im oberhaus, dass hat doch fast schon strassenkampf atmosphäre. es kommt mir ein bericht in den sinn von einem blogger der 24h sky austria geschaut hat, ich weiss dass das meine laune damals ziemlich gehoben hat, es war auf der elf freunde seite oder so. und dann verlässt uns der gute sick boi diese woche. ich würde nicht sagen dass sich die ereignisse diese woche überschlagen aber wenn die pasta stimmt, dann stimmt schon das meiste. jedenfalls wünsche ich dem guten jungen einen angenehmen flug. wahrscheinlich hörst du schon die ganze zeit get the party started von pink haha.
edi schätonik
"Romane zu analysieren bedeutet unterm Strich nichts anderes, als die Seele eines literarischen Werks zu sezieren, und das zerstört verdammt noch mal alles, was ich an Büchern liebe." mark renton
Mittwoch, 5. Februar 2014
Freitag, 24. Januar 2014
briefe an ernie vol. 10 - panini und wellness
lieber ernie
für meine lange sendepause erst einmal ein grosses "sorry". die leute scheinen zu verwechseln, dass die zeit nach weihnachten der zeit vor weihnachten in sachen hektik in nichts nach steht. zuerst aber gratuliere ich dir zu deinem pornoauftritt. die leute zum lachen zu bringen kommt nämlich der befriedigung eines grundbedürfnisses gleich und du kannst wirklich stolz sein. menschen brauchen prägende erlebnisse an die sie sich ein leben lang erinnern können. der rest verblasst und verkommt zur bedeutungslosigkeit, in etwa so wie ein durchschnittlicher superleague fussballer. natürlich ist zb ein steve gohouri ausgenommen. jedenfalls hatten auch wir ein frohes fest, auch wenn mir das mittlerweile so weit entfernt scheint, wie der paninisticker von andy egli von der wm94. sein konterfei rangierte damals ganz oben auf der liste der hässlichsten bilder, wohingegen sein heutiger anblick richtig geniessbar ist. jedenfalls hat uschi die geschenke ausgepackt. ich habe ihr ein wellnesswochenende geschenkt. ist zwar nicht gerade innovativ, aber taktisch sehr klug. es findet im märz statt, d.h. dass wir bis märz ziemlich sicher nicht streiten werden, da uschi sehr harmoniebedürftig geeicht ist und jetzt nur noch die tage bis zu diesem wochenende retour zählt. es erinnert mich ein bisschen an meine mutter als wir früher in die ferien fuhren. wir haben zusammen die tage retour gezählt. kurz bevors so weit war hab ich dann meistens einen unfall gemacht und konnte die badeferien auf ferien ohne baden umbenennen. so soll es mit uschi aber nicht sein. wir verbringen eine gute zeit, essen viel, haben sex und meine fresse, so übel ist das leben doch gar nicht. was machst du jetzt eigentlich? wie ich finde hältst du dich in sachen frauen immer sehr zurück. ist da alles in ordnung? es gibt berner die zürcher heissen und zürcher die basler heissen, das ist doch merkwürdig? ich weiss nicht wie ich das finden soll. also dann, vielleicht weisst ja du wieso das so ist. alles gute und bis bald! ah, und teile mit doch noch mit welches für dich die schönste hallelujah interpretation ist. ich muss meiner grossmutter noch einen klingelton installieren.
es grüsst
henri
für meine lange sendepause erst einmal ein grosses "sorry". die leute scheinen zu verwechseln, dass die zeit nach weihnachten der zeit vor weihnachten in sachen hektik in nichts nach steht. zuerst aber gratuliere ich dir zu deinem pornoauftritt. die leute zum lachen zu bringen kommt nämlich der befriedigung eines grundbedürfnisses gleich und du kannst wirklich stolz sein. menschen brauchen prägende erlebnisse an die sie sich ein leben lang erinnern können. der rest verblasst und verkommt zur bedeutungslosigkeit, in etwa so wie ein durchschnittlicher superleague fussballer. natürlich ist zb ein steve gohouri ausgenommen. jedenfalls hatten auch wir ein frohes fest, auch wenn mir das mittlerweile so weit entfernt scheint, wie der paninisticker von andy egli von der wm94. sein konterfei rangierte damals ganz oben auf der liste der hässlichsten bilder, wohingegen sein heutiger anblick richtig geniessbar ist. jedenfalls hat uschi die geschenke ausgepackt. ich habe ihr ein wellnesswochenende geschenkt. ist zwar nicht gerade innovativ, aber taktisch sehr klug. es findet im märz statt, d.h. dass wir bis märz ziemlich sicher nicht streiten werden, da uschi sehr harmoniebedürftig geeicht ist und jetzt nur noch die tage bis zu diesem wochenende retour zählt. es erinnert mich ein bisschen an meine mutter als wir früher in die ferien fuhren. wir haben zusammen die tage retour gezählt. kurz bevors so weit war hab ich dann meistens einen unfall gemacht und konnte die badeferien auf ferien ohne baden umbenennen. so soll es mit uschi aber nicht sein. wir verbringen eine gute zeit, essen viel, haben sex und meine fresse, so übel ist das leben doch gar nicht. was machst du jetzt eigentlich? wie ich finde hältst du dich in sachen frauen immer sehr zurück. ist da alles in ordnung? es gibt berner die zürcher heissen und zürcher die basler heissen, das ist doch merkwürdig? ich weiss nicht wie ich das finden soll. also dann, vielleicht weisst ja du wieso das so ist. alles gute und bis bald! ah, und teile mit doch noch mit welches für dich die schönste hallelujah interpretation ist. ich muss meiner grossmutter noch einen klingelton installieren.
es grüsst
henri
Montag, 30. Dezember 2013
Briefe an Henri Vol. 9 - Technische Probleme und Frau Teppichboden
Lieber Henri,
Weihnachten ist beerdigt und
das alte Jahr liegt in seinen letzten Zügen, bereit einem jüngeren, vitaleren Abbild
seiner selbst Platz zu machen. Das Jesuskind aus Polypropylen wird mitsamt
seiner billig verarbeiteten Holzkrippe, made in China, in einen vollgestopften
Umzugskarton verstaut und bis nächstes Jahr in den dunklen Keller verfrachtet.
Diese biedermeiersche Auslebung des Fritzltums macht mich etwas traurig, aber
lassen wir die sentimentalen Sabbeleien. Das Weihnachtsfest, welches ich für die
Firma XYZ organisiert habe, war ein monumentales Desaster. Zunächst lief alles
reibungslos, schliesslich gab es zu dem Ablauf ein achtseitiges Script und
nachmittags fand eine kleine Hauptprobe für den offiziellen Teil statt. Um dir
das Ausmass der Katastrophe begreiflich zu machen, muss ich zwei Punkte als
Exposition vorausschicken. Zum einen habe ich aus Kostengründen darauf
verzichtet, einen professionellen Tontechniker für den Anlass anzuheuern.
Stattdessen habe ich das Equipement bei einer Event-Agentur gemietet und mir
die Bedienung der Beschallungsanlage zeigen lassen. Zum anderen hatte ich in
der Vorbereitungsphase ziemlich intensiven Kontakt mit der Sekretärin der
Geschäftsleitung, welche meine Hauptansprechperson war. Nennen wir sie mal Frau
Teppichboden. Die gute Frau Teppichboden ist mitte Zwanzig und passt perfekt in
mein Beuteschema. Somit nahm das Unheil seinen Lauf. Ich moderierte durch den ganzen
Abend und trug dazu ein Lavalier-Mikrofon – die Dinger, die man an die Kravatte
stecken kann. Nach der Vorspeise waren alle schon etwas angetrunken und heiter,
auch ich. Ich hielt mich aber gut, stieg auf die Bühne, machte ein paar Spässe
und kündete den Geschäftsführer an, der nun eine einstündige Rede hielt. Ich verschwand hinter
der Bühne, wo mich Frau Teppichboden mit einer Flasche Champagner empfing. Wir
verschwanden in einem kleinen Kämmerchen und hielten ein Schäferstündchen.
Jedenfalls ein halbes Stündchen, damit wir auch ja zurück waren, bevor der Herr
Geschäftsführer mit seinem Monolog fertig war. Als wir in den Saal kamen,
war niemand mehr auf der Bühne am reden, stattdessen rannten ein paar hochrote
Gesichter umher, tumultartige Szenen, wie man sie sonst nur von Fussballspielen
kennt, trugen sich zu. Es gab kleine Rangeleien, Geschrei, Gelächter und laut fluchende Kravattenträger. Manche versuchten, Anderen die
Handies wegzunehmen, ein paar sangen hemmungslose Lieder und als man uns im
Saal bemerkte, schallte uns eine Welle donnerndes Gelächter entgegen. Wir
mussten schliesslich zu meinem Auto flüchten und fuhren zu meiner Wohnung.
Später habe ich realisiert, was passiert war: Ich hatte vergessen, mein
Mikrofon auszuschalten. Die geistreiche Rede zum Geschäftsverlauf 2013 wurde also
von dem ekstatischen Stöhnen von Frau Teppichboden unterbrochen, was im Saal zu
chaotischen Zuständen führte. Ich habe erfahren, dass ein paar Angestellte die
Szenerie mit dem Handy filmten. Denen hat man das Handy abgenommen und die
Aufnahmen gelöscht, damit die Peinlichkeit nicht auf einer Videoplattform
landete. Ich selbst habe den Anlass mit meinem HD-Recorder festgehalten. Diese
Aufnahmen haben schliesslich dazu geführt, dass ich doch noch zu einer
angemessenen Bezahlung kam und über den Vorfall stillschweigen bewahrt wird. Du
siehst, Weihnachtszeit ist eine hektische Zeit, aber das kennst du ja bestimmt
von deiner Kneipe und von deiner Uschi. Ich hoffe, der gute Uli konnte ihr ein
paar schöne Geschenke besorgen. Was hat sie denn so gekriegt und was hast du
bekommen? Ich habe leider wieder ein ziemlich einsames, trostloses
Weihnachtsfest verbracht, bekam aber noch Besuch von Frau Teppichboden. So
gesehen darf ich mich nicht beklagen. Morgen ist Silvester, ich freu mich schon
darauf, bei dir in der Kneipe zu feiern. Dieses Jahr lassen wir mit einem Knall
enden!
Liebe Grüsse
Ernie
Mittwoch, 18. Dezember 2013
gedanken aus dem hohen norden
und auf einmal sagten die leute, dass das leben eine bitch ist. das erinnert mich ein bisschen an den guten alten track von nas, "life's a bitch and then you die - cause you never know when you're gonna go". die alten heads werden das kennen und analog dazu läuft dann die melodie im kopf ab. bei mir tauchen noch unzählige orte auf wo ich dieses lied gehört habe. wenn mein hirn auch nicht für viel imstande ist, so zumindest gehörte musik mit orten zu verbinden. der hang zum autismus schein manchmal nicht fern vom rechten standbein. im fernsehen kommt kaiser franz und mehmet scholl. dann pep guardiola, dann mehmet scholl. in dieser reihenfolge betrachtet, wird man den gedanken nicht los, die beiden seien unmittelbar miteinander verwandt. obwohl mein lieber scholli etwas heller pigmentiert ist und wohl auch ein paar zentimeter kürzer, steht er dem spanischen fussballmagier in nichts nach. beides sympathieträger irgendwie, obwohl sie unfehlbar mit dem fc bayern assoziert werden. tauscht man die vornamen, heisst der eine mehmet guardiola. dazu das foto und der name passt wie auf den leib geschneidert. etwas schnittiger hört sich pep scholl an. pep scholl könnte auch ein wikinger in einem comic sein, pep scholl der donnergroll oder pep scholl der schwedische trommelbauer. an einem dienstagabend wie heute, ist das aber mit sicherheit das beste, was man zu sehen bekommt. dazu ein paar whattsapp videos und ein paar youtube tutorials. und dann die erkenntnis, dass das leben manchmal eine bitch ist. der schmale grat zwischen verlackmeiern und verlackmeiert werden, zuckerwatte auf der einen, impfnadeln auf der anderen seite. auf sport1 läuft darts wm. zwei pfeilwerfende pubbesucher werden von einer besoffenen meute beim dartpfeil-werfen angefeuert. getragen von der welle ihres bauchumfanges und der tobenden menge, werfen sie geschätzte hundert dartpfeile. es fällt mir auf das der gute charlie harper die schöneren hemden getragen hat.mir fällt auf das auf sport1 vieles kommt, dass gar nichts mehr mit sport zu tun hat. nach storage wars (es geht ums versteigern von nicht abgeholter lagerware) kommt billy der exterminator, ein punk der waschbären einfängt und sie wieder aussetzt. diese entwicklung erinnert mich ein bisschen an mtv. alles gleich und am ende des tages kommen die bitches. aightyo.
herzlichst
edgar schätonik
herzlichst
edgar schätonik
Sonntag, 15. Dezember 2013
Briefe an Erni Vol. 9 - Von Geschenken und Aasfressern
Lieber Erni
Wie ich lese bist du in dieser Vorweihnachtszeit richtig beschäftigt und
somit für einmal nicht die Ausnahme die die Regel bestätigt. Jedenfalls freut
es mich, dass du wieder Früchte erntest und dich auch emotional gefangen hast. Es
ist die Zeit der grossem Depressionen, untermauert mit meiner Aktionswoche und
der früh einkehrenden Dunkelheit, ein optimaler Nährboden um meine Geschenksideen
gedeihen zu lassen. Falls du meiner beschissenen Logik nicht folgen kannst,
auch bei mir klingelt die Kasse. Meine Uschi ist eine Frau, bei der grosse Geschenke
auch grosse Wirkung erzielen. Denke ich über sie nach, dann stelle ich es
manchmal schon in Frage, ob extrinsische Belohnungen wirklich nur ein
kurzfristiger Motivator sind. Auch frage ich mich ob es gut ist, eine Frau zu
haben die mit Geschenken so beeinflussbar ist. Und dabei meine ich natürlich
nur Geschenke materieller Natur. Zu guter Letzt aber, und das ist die
egoistische Betrachtung der ganzen Sache - tu ich ihr einen Gefallen, tu ich
auch mir einen Gefallen. Um etwas nachdrücklicher zu werden, Geschenke machen
meine Frau einfach viel erträglicher. Wie du ja weisst, ist das Shoppen gar
nicht so meine Sache. Es ist zeitintensiv und raubt mehr Nerven als ein gutes
(oder sehr schlechtes) Fussballspiel. Zum guten Glück gibt es aber Uli. Er hat
meine Kneipe in letzter Zeit öfters frequentiert und ist ein echt zugänglicher
Kerl. Auch intelligent wie ich finde, also ersuche ich ihn um ein bisschen
Beratung hinsichtlich Geschenken. Und glaube mir, er hat ein gutes Händchen.
Ich hab ihm jetzt einen Betrag von 700 Franken gegeben und er sitzt hinten an
der Bar am Computer und kauft Geschenke für meine Uschi ein. Diese Last
loszuwerden ist mir richtig was Wert und so säuft der Gute heute natürlich
gratis. Korrekt wie er ist, übertreibt er es aber nicht. Scheint mir ein
nachhaltig denkender Zeitgenosse zu sein. Dann kamen gestern noch ein paar
Jungspunde einer Geburtstagsfeier vorbei. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen,
glückliche Menschen anzutreffen, aber als Kneipenbesitzer liegen da die
Betrachtungsweisen etwas anders. Die haben mir alles vollgepisst, hinten auf
dem Klo. Ludmilla war zuerst sehr genervt, hat sich dann aber ein bisschen in
einen blonden Jüngling dieser Gruppe ein bisschen verguckt. Wie ist das mit
deiner Weihnachtsfeier gelaufen? Und was hast du so über die Weihnachtstage
geplant. Und vor allem was zum Teufel läuft mit den Frauen? Wie ich finde sind
deprimierte Frauen ganz viel einfacher abzugreifen als solche die vor
Selbstbewusstsein geradezu strotzen, und wie eingangs erwähnt gibt es in dieser
weihnachtlichen Zeit ganz viele davon. Erinnert mich ein bisschen an die Aasfresser,
die warten bis das Eis geschmolzen ist und sich dann über die Beute hermachen.
Wie auch immer, lass was hören.
Es grüsst,
Henri
Freitag, 13. Dezember 2013
Freitag der 13.
Freitag der 13.
er zieht sein bestes Hemd an
und die Hosen
mit den wenigsten Brandflecken
er stellt das Bier kühl
checkt sein Gesicht im Spiegel
schneidet wilde Grimassen
zählt Falten und Silberfäden
und legt etwas Musik auf
um in Stimmung zu kommen.
Er denkt an seine Nachbarn
an den Lärm und die Leute
an die Möglichkeiten und die Gefahren
er denkt an das Vergangene und das Künftige
er denkt an das Vergangene und das Künftige
und die Frauen und immer wieder
die Frauen.
Er ist wieder ein Jahr älter
aber fühlt sich noch ganz okay
noch presänt und konzentriert
mit Hoffnungen und Plänen
realitätsdurchzogen und bodenständig zwar
aber optimistisch und ambitiös.
Sein Blick schweift über die Bücher
und er bekommt Lust zu schreiben
jetzt in diesem Moment
er hört die Musik
und er bekommt Lust einen Song zu machen
jetzt in diesem Moment
aber bald geht die Party los
und sie wird nicht so schnell enden.
Es ist ein gutes Alter
nicht mehr grün hinter den Ohren
aber noch nicht grau am Sack
und es gibt noch lange Musik
und Bier und Parties
und Arbeit und Anschiss
und Mühe und Müdigkeit
und Reisen und Faulenzen
und Reisen und Faulenzen
und die Frauen und immer wieder
die Frauen.
Alles gute zum Geburtstag, alter Racker!
Montag, 2. Dezember 2013
briefe an henri vol. 8 - Kinder, Monster und Tierschutztanten
Lieber Henri,
Ich öffnete eines Morgens meine
Tür, ging nichts ahnend hinaus und da überkam sie mich: Die eisige Kälte des Winters; herzlose
Geliebte des Todes; die urzeitliche Bestie, die schon unseren Vorfahren das
Leben zur Hölle gemacht hat. Wobei Hölle in diesem Zusammenhang vielleicht ein
schlechter Vergleich ist, denn die wäre zumindest warm. Meine Brustwarzen
werden hart in der Kälte, so dass ich damit locker Glas schneiden könnte. Die
Extremitäten, sowie das charaktergebende Gesicht und die durchaus praktischen
Ohren, werden zu verhassten Schwachstellen an meinem Körper. So verstehe ich
mittlerweile, warum der gute van Gogh sich eines Ohres entledigt hat. Soviel
zum körperlichen. Viel interessanter ist jedoch zu betrachten, was diese Kälte
mit dem Geiste anstellt. Der subversive Teil in mir, der zeitweise an
nihilistischem Zynismus grenzt, trifft auf den romantischen Tradionalisten, auf
das grosse Kind in mir. Es ist der alte Kampf zwischen Bewahren und Erneuern,
nur mit einer vertauschten Gut-Böse-Verteilung. Und ob du es glaubst oder
nicht, das kleine, schwache Kind mit den roten Wangen, der triefenden Nase und
den glänzenden Augen; es gewinnt gegen dieses dunkle, grosse Monster aus
Selbsthass und Enttäuschung, mit seinen reissenden Zähnen und seinem
grässlichen Schwefelgestank. Also, auch ich habe nun einen Adventskranz, ein
kleines Plastikbäumchen und eine Lichterkette auf dem Balkon. Es freut mich,
dass deine Bar wieder offen hat. Auf dass sich die Säufer so nahe an den Tod
saufen wie nur möglich ist! Die Weihnachtsbieraktion kann ich als verkaufsfördernde
Massnahme nur begrüssen. Vielleicht könntest du die Aktion noch mit einer
Treuekarte unterstützen (jedes elfte Bier gratis oder so). Das gratis Bier
kannst du locker mit einer zehnprozentigen Preiserhöhung finanzieren, merkt
keiner der Säufer. Ludmillas slawischer Pragmatismus und dein
ur-schweizerischer Geschäftssinn scheinen sich gut zu ergänzen. Ich werde in
den nächsten Wochen bestimmt mal wieder bei dir reinschauen. Für dieses Jahr
ist keine Auslandsreise mehr geplant. Ich richte nächste Woche eine Weihnachtsfeier
für ein grosses Kommunikationsunternehmen aus. Hat auch Vorteile, dass
heutzutage alles outgesourced wird. Eventmanagement ist allerdings ein harter
Job. Ich darf mir da keinen Fehler erlauben. So gesehen habe ich aktuell gar
keine Zeit um mich mit der Haustierfrage zu beschäftigen. Aber ich würde eher
auf die Katze tendieren. Natürlich scheisst die Katze auf meine Gefühle, aber
ich würde ja auch auf die Katze scheissen, wenn mir gerade danach wäre. Wenn
die mich nervt oder kratzt oder nicht kuscheln will, dann gibt es halt nichts
zu fressen. So einfach würde ich das handhaben. Sollen mir die Tanten vom
Tierschutz doch mal gepflegt einen abkauen, so sehe ich das. Die Option Papagei
muss ich mal genauer unter die Lupe nehmen. Übrigens habe ich deinen Rat zu
Herzen genommen und die Schulmedizin aufgegeben. Damit habe ich auch wieder ein
paar Hunderter gespart. Versuche es nächstes Jahr tatsächlich mal im Heilungsbusiness,
beziehungsweise denke ich über Mentalcoachings, Motivationstrainings und
Konfliktmanagementseminare nach. Also das nutzlose, inhaltslose Blabla, welches
mir durchaus liegt. Blende die Leute und sie denken, sie hätten warm. So
einfach funktioniert das. Ich knuspere in Balde an deinem Häuschen und führe
mir ein paar Weihnachtsbiere zu Gemüte!
Herzliche Grüsse
Ernie
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